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"Schlecker XL": Wir sagen NEIN zu Tarifflucht und Billiglohn :

Arbeit und Wirtschaft


Rote Karte für Schlecker XL: MdL Hubertus Kramer, Monika Groth (ver.di Hagen) und MdB René Röspel sind empört über die Aushebelung von Arbeitneherrechten durch das Unternehmen. Foto: Volker Weiß.

Wenn am Freitag (18. September) der neue Schlecker-Markt an der Ecke Mittelstraße / Neustraße eröffnet, dann werden Kundinnen und Kunden kein bekanntes Verkäuferinnen-Gesicht mehr erkennen: Denn von den Frauen, die bisher in den beiden kleinen Schlecker-Filialen in der Fußgängerzone und in der oberen Mittelstraße beschäftigt waren, ist keine mehr dabei.

„Versetzt oder gekündigt“, sagt die ver.di-Gewerkschaftssekretärin Monika Grothe mit Blick auf die betroffenen Kolleginnen, und: „Die Kolleginnen, die im neuen Schlecker ihre Arbeit aufnehmen, arbeiten unter Tarif, in der Regel zeitlich befristet, ohne Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und mit 24 statt 36 Urlaubstagen.“ „Menschenunwürdig“ nennen das der heimische Bundestagsabgeordnete René Röspel und sein Gevelsberger Landtagskollege Hubertus Kramer, die in dieser Woche Schlecker-Betriebsräte aus der heimischen Region und Monika Grothe zum Gespräch trafen. René Röspel: „Ein schlimmes Beispiel dafür, dass wir nicht weniger, sondern mehr Arbeitnehmer-Schutzrechte brauchen.“

Betroffenheit beim SPD-Bürgercafé
Sehr betroffen hatten beim SPD-Bürgercafé in der Fußgängerzone am letzten Samstag Kundinnen und Kunden dem SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Hubertus Kramer davon erzählt, was sich auch hinter den Türen der bisherigen beiden kleinen Schlecker-Filialen in Gevelsberg tut. Ver.di-Sekretärin Monika Grothe: „In der Tat reagieren die Menschen deprimiert, wenn sie von diesen Vorgängen hören.“ Dabei reiht sich das, was in Gevelsberg passiert, nach Darstellung der Gewerkschaft in das ein, was landauf landab an der Tagesordnung ist. Kleine Schlecker-Filialen werden geschlossen, neue Schlecker-XL-Filialen werden eröffnet.

Schlecker-Mitarbeiter/-innen werden durch Billig-Arbeitskräfte ersetzt
Die bisher tariflich bezahlten Kräfte werden entlassen oder versetzt, die neuen Mitarbeiterinnen mit Beträgen deutlich unter Mindestlohn abgespeist. „Versetzungen dienen dazu, die Frauen mürbe zu machen. Denn oft handelt es sich um Alleinerziehende oder Teilzeitkräfte, die nicht einmal Geld für die Monatskarte für die Fahrt zum neuen Arbeitsplatz aufbringen können.“

Trickserei mit einer zweiten Gesellschaft
Arbeitsschutzklagen bei Kündigungen scheitern bisher daran, dass von den Unternehmens-Spitzen behauptet wird, es handele sich um zwei völlig unterschiedliche Firmen. „Obwohl beide Unternehmen ihren Firmensitz im selben Gebäude in Ehingen haben und das Sortiment weitgehend identisch ist,“ so Monika Grothe.

Schlecker-Betriebsräte unter Druck: Angst vor öffentlichen Aussagen
Aus dem Gespräch mit den heimischen Schlecker-Betriebsräten, die sich nicht öffentlich äußern oder zeigen wollten, kam der Bundestagsabgeordnete René Röspel mit einem eindeutigen Resüme: „Hier handelt es sich eindeutig um Tarifflucht. Und das ist angesichts der Tatsache, dass Anton Schlecker zu den reichsten Männern der Welt gehört, gegenüber den Arbeitnehmerinnen ein menschlicher Skandal.“

Rote Karte für den Abbau von Arbeitnehmer-Rechten
René Röspel und Hubertus Kramer raten den Gevelsbergern, Schlecker-XL soweit wie möglich die rote Karte zu zeigen. Einer hat es schon getan: Bürgermeister Claus Jacobi wird der Einladung zur offiziellen Eröffnung nicht folgen.

 

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